Heute rät keiner mehr, heute wird gerechnet.
Der Preis ist heiß
Der Preis ist heiß, früher war das eine Fernsehsendung. Heute ist es eher ein Zustand. Nur dass der Kandidat nicht mehr im Studio steht, sondern irgendwo zwischen Google, ChatGPT und dem nächsten Einkaufsagenten sitzt. Und der Moderator heißt nicht mehr Harry Wijnvoord, sondern KI.
Worum geht es in einfach: Yoast beschreibt für 2026 eine Entwicklung, die für Onlineshops und Dienstleister unangenehm konkret wird. Agentic Commerce heißt: Nutzer klicken sich nicht mehr selbst durch zehn Shops, drei Vergleichsportale und zwei Tabs mit Rückgaberegeln. Stattdessen delegieren sie an einen Agenten: „Such mir das passende Produkt, zu einem fairen Preis, schnell lieferbar, seriöser Händler.“ Und dann wird nicht mehr gesucht, sondern ausgewählt. Sichtbarkeit entsteht vor dem Checkout und oft sogar ohne klassische Suchanfrage.
Yoast
Warum das keine Zukunftsmusik mehr ist
Die entscheidende Änderung ist nicht „KI wird schlauer“, sondern „KI bekommt Standards und Schnittstellen“. Google und Shopify treiben gerade das Universal Commerce Protocol (UCP) voran: eine offene Standardsprache, damit Agenten Produktdaten, Preise, Verfügbarkeit, Versand, Rückgabe und den Kaufprozess sauber abfragen und ausführen können.
Google Developers
Parallel gibt es das Agentic Commerce Protocol (ACP) von OpenAI und Stripe, das Instant Checkout in ChatGPT ermöglicht und ebenfalls als Standard gedacht ist.
OpenAI
Und Klarna setzt mit dem Agentic Product Protocol auf „Produkte maschinenlesbar und live vergleichbar machen“, inklusive strukturierter Feeds für Preise und Verfügbarkeit.
investors.klarna.com
Du merkst: Das ist kein einzelnes Plugin und keine Trendfolie. Das sind neue Verteilerschichten. Wer dort sauber andockt, wird vorgeschlagen. Wer dort unscharf ist, wird übergangen.
Jetzt kommt der Teil mit „Der Preis ist heiß“
In der Sendung war der Preis das Rätsel. Im Agenten-Zeitalter ist der Preis der Filter. Der Agent ist gnadenlos praktisch. Er ist kein Romantiker, der sich von schönen Worten „handgefertigt, mit Liebe“ hypnotisieren lässt. Der Agent stellt eher Fragen wie ein sehr deutscher Einkaufsleiter:
Ist der Preis eindeutig oder versteckt er sich erst im Warenkorb?
Ist lieferbar wirklich lieferbar?
Wie hoch sind Versandkosten, Rücksendekosten, Lieferzeit?
Gibt es Garantie, Support, Bewertungen, klare Produkt-IDs?
Passt das Angebot zu meiner Anfrage, ohne dass ich interpretieren muss?
Das bedeutet: „Der Preis ist heiß“ heißt nicht „der billigste gewinnt“. Es heißt: Der Agent gewinnt. Und der Agent liebt Klarheit, Vergleichbarkeit und verlässliche Daten.
Die Pointe:
Früher: „Wir müssen bei Google auf Seite 1.“
Jetzt: „Wir müssen für Agenten die naheliegendste, risikofreie Entscheidung sein.“
Was heißt das für Unternehmerfreunde-Kunden, ganz praktisch?
Viele unserer Kunden haben keine Lust auf E-Commerce-Philosophie. Die wollen wissen: Was muss ich 2026 tun, damit ich nicht aus den Empfehlungen fliege?
Hier ist das 80/20-Paket. Nicht hübsch, aber wirksam.
1. Preise und Nebenkosten so aufstellen, dass ein Agent sie nicht falsch verstehen kann
Preis, Währung, Steuerhinweis, Versandkosten, Lieferzeit, Rückgabe – konsistent. Keine Überraschungen erst auf Seite 3 oder im Checkout. Agenten bestrafen Überraschungen, weil sie für den Nutzer Ärger bedeuten.
2. Produktdaten wie Maschinenraum behandeln, nicht wie Deko
Varianten sauber (Größe, Farbe, Modell), eindeutige Kennungen (z.B. GTIN/EAN, MPN, Marke), keine Doppelbezeichnungen, keine kreativen Fantasienamen, die intern witzig sind, aber extern verwirren.
3. Strukturierte Daten: nicht „für Google“, sondern „für Auswahl“
Schema-Markup (Produkt, Angebot, Verfügbarkeit, Preis, Bewertungen, Versand und Rückgabe soweit möglich) ist die Sprache, in der Agenten schneller entscheiden. Yoast formuliert es sinngemäß so: Sichtbarkeit wird festgelegt, bevor überhaupt ein Checkout stattfindet. Yoast
4. Feeds und Schnittstellen als Vertriebskanal verstehen
Wenn Protokolle wie UCP darauf abzielen, Händlerdaten standardisiert für Agenten abrufbar zu machen, dann sind saubere Feeds nicht „Technik-Kram“, sondern das neue Schaufenster. Google Developers Blog
5. Vertrauen maschinenlesbar machen
Im echten Leben baut Vertrauen sich über Gespräche auf. In Agenten-Systemen über Signale: klare Policies, echte Kontaktdaten, nachvollziehbare Bewertungen, stabile Lieferperformance, transparente Garantie. Nicht weil der Agent Gefühle hätte, sondern weil er Risiko minimiert.
Das gibt es schon:
Der Nutzer: „Ich brauche eine neue Arbeitsjacke, warm, robust, kein Mondpreis.“
Der Agent: „Verstanden. Ich habe 18 Optionen geprüft. 12 sind rausgeflogen, weil Versandkosten erst im Warenkorb auftauchen. 4, weil ‚sofort lieferbar‘ eine kreative Auslegung war. Übrig bleiben 2. Ich habe die genommen, bei der Rückgabe nicht wie eine Steuererklärung wirkt.“
Das ist witzig, aber leider realistisch.
FAQ
Mini-Checkliste für Agentic Commerce
Was bedeutet „Agentic Commerce“ überhaupt?
Agentic Commerce bedeutet, dass Nutzer nicht mehr selbst durch Shops klicken und vergleichen, sondern eine KI beauftragen: „Such mir das Beste.“ Der Agent vergleicht dann Angebote, sortiert nach Preis, Lieferzeit, Vertrauen, Rückgabe und vielen weiteren Kriterien und schlägt direkt eine Auswahl vor. Der entscheidende Punkt: Die Entscheidung fällt oft, bevor ein Nutzer deinen Shop überhaupt besucht.
Heißt das, künftig gewinnt immer der billigste Anbieter?
Nein. Der billigste Preis ist nur ein Signal. Agenten optimieren meist auf das beste Gesamtpaket: Endpreis inklusive Versand, Lieferzeit, Verfügbarkeit, Rückgabe, Garantie, Händlervertrauen, Bewertungen und Reibung im Kaufprozess. Wer zwar billig ist, aber unklare Lieferzeiten, komplizierte Rückgabe oder wackelige Daten hat, fliegt oft raus.
Warum ist „Sichtbarkeit vor dem Checkout“ so wichtig?
Weil Agenten die Vorauswahl treffen. Wenn du in dieser Vorauswahl nicht auftauchst, hilft dir der schönste Shop nichts – der Nutzer kommt nie an. Klassisches SEO war oft „Ranken und dann überzeugen“. Agentic Commerce ist eher „erst qualifizieren, dann überhaupt existieren“.
Welche Daten braucht ein Einkaufsagent, um mich überhaupt auswählen zu können?
Alles, was für eine sichere Entscheidung nötig ist: korrekte Preise, Verfügbarkeit, Varianten, eindeutige Produktdaten (Marke, Modell, IDs wie EAN/GTIN wo vorhanden), Versandkosten, Lieferzeiten, Rückgaberegeln, Garantie, Kontakt und möglichst verlässliche Bewertungen. Wichtig ist weniger „viel Text“, sondern „eindeutig, konsistent, maschinenlesbar“.
Was sind die wichtigsten 80/20-Maßnahmen für 2026?
Erstens: Preise, Versand, Lieferzeit und Verfügbarkeit glasklar und konsistent halten. Zweitens: Produktdaten und Varianten sauber pflegen, damit nichts verwechselt wird. Drittens: Strukturierte Daten (Schema) und Feeds ernst nehmen, weil sie für Agenten die schnellste Faktenquelle sind. Viertens: Vertrauen sichtbar machen durch transparente Policies, erreichbaren Support und nachvollziehbare Händlerinfos.
Was ist die größte typische Falle für Shops und Dienstleister?
Die Falle heißt „Bei uns steht doch alles irgendwo“. Agenten belohnen keine Schnitzeljagd. Wenn Versandkosten erst im Warenkorb auftauchen, Lieferzeiten schwammig sind oder Produktdaten je nach Seite variieren, wirkt das für den Agenten wie Risiko – und Risiko wird aussortiert. Die zweite Falle: nur auf Rabatt zu setzen. Dann gewinnst du vielleicht den Klick, aber verlierst die Marge. Besser ist ein klares Gesamtpaket aus Preis plus Leistung plus Vertrauen.

