Fachwissen war unsere Wette.
Und ja, sie ging auf.
Im letzten Jahr haben wir bei Unternehmerfreunde eine unbequeme These formuliert: Fachwissen wird zur neuen Währung im SEO-Universum.
Nicht das x-te Ratgeber-Blabla, nicht die 100ste Copy-Paste-Definition, sondern Inhalte mit echter Substanz: Erfahrung, Details, saubere Struktur und klare Positionierung. Damals gab es dafür wahlweise Schulterzucken, Diskussionen und den Standardsatz: „Ja, aber wir sind doch keine Journalisten.“
Heute ist die Lage entspannter. Nicht weil Google plötzlich nett geworden wäre, sondern weil sich ein Muster bestätigt: Spezialisierung schlägt Bauchladen. Experten-Content schlägt Generik.
Warum es damals Gegenwind gab. Und warum das normal ist.
Viele Unternehmen und auch einige Mitbewerber folgen zwei bequemen SEO-Religionen:
Erstens: Mehr Content hilft immer.
Zweitens: Amazon, Wikipedia und die Großen gewinnen sowieso.
Beides klingt beruhigend. Beides ist als Strategie ungefähr so stabil wie ein Stuhl mit zwei Beinen.
Denn „mehr“ ist nicht automatisch „besser“. Und „groß“ ist nicht automatisch „relevant“. Google bewertet zunehmend, ob eine Seite ein Thema wirklich verstanden hat oder nur so tut als ob. Genau hier lag unsere Wette: Wer sich traut, enger zu werden, wird oft stärker. Wer alles für jeden sein will, wird austauschbar.
Amazon verliert Sichtbarkeit, Nischen gewinnen Relevanz. Das ist keine Romantik, das ist Messwert.
Ein sehr handfester Beleg kommt aus dem SISTRIX IndexWatch Jahresrückblick: amazon.de war 2025 der größte absolute Verlierer in Deutschland. Die Sichtbarkeit sank von 3.878 Punkten (30.12.2024) auf 2.746 Punkte (29.12.2025). Das sind minus 1.132 Punkte, also rund 29 Prozent. Besonders deutlich wurde der Rückgang im Sommer, im Umfeld des Juni 2025 Core Updates. sistrix.de
Das bedeutet nicht, dass Amazon „tot“ ist. Es bedeutet nur: Amazon ist nicht mehr automatisch die Antwort auf alles, was nach Produkt riecht. Und genau in diese Lücke passen spezialisierte Seiten. Nicht weil sie lauter sind, sondern weil sie präziser treffen.
Auch Berichte, die sich auf SISTRIX-Analysen beziehen, greifen diesen Trend auf: Amazon hat in Google-Ergebnissen an Sichtbarkeit verloren, während Google die Produktsuche und Ergebnisdarstellung weiter umbaut. haendlerbund.de
Was Google faktisch belohnt. Und was es abstraft.
Google macht seit Jahren sehr klar, wohin die Reise geht: Inhalte sollen „helpful“ sein, also für Menschen geschrieben, nicht für den Algorithmus. Das Helpful-Content-System zielt genau auf Seiten, die zwar Themen abdecken, aber keinen Mehrwert, keine Einordnung und keine eigene Substanz liefern. evergreen.media
In der Praxis heißt das:
- Wenn ein Text auch als Beipackzettel in einer Cornflakes-Packung funktionieren würde, wird es schwer.
- Wenn ein Text nur Keywords sortiert, aber keine Entscheidungshilfe liefert, wird es schwer.
- Wenn ein Text zeigt, dass das Thema wirklich gelebt wird (statt nur darüber zu schreiben), wird es deutlich leichter.
Unsere Kernthese von damals: Experten-Content ist kein Blog-Format, sondern ein Geschäftsmodell.
Hier liegt der Punkt, den viele übersehen:
Experten-Content ist nicht Dekoration fürs Marketing. Es ist ein Vertriebskanal, der anders funktioniert als Google Ads.
Google Ads ist Miete: Sobald das Budget stoppt, geht das Licht aus.
Fachwissen ist Eigentum: Es entsteht Substanz, die wiederverwendbar ist, für SEO, für KI-Antworten, für Sales, für Angebote, für Vertrauen.
Das dauert länger als „mal schnell vier Artikel“. Aber genau deshalb funktioniert es: weil nicht jeder es durchhält.
Was wir heute anders formulieren würden. Inhaltlich bleibt es gleich.
Letztes Jahr klang es vielleicht provokant: „Fachwissen ist das neue SEO-Tool.“ Heute würden wir sagen:
Fachwissen ist der Multiplikator für jedes Tool.
KI kann Text ausgeben. Aber KI liefert keine echten Projekterfahrungen, keine Maschinenlogik, keine typischen Fehlerbilder, keine Checklisten aus der Praxis und keine Entscheidungen aus dem Bauch eines Profis. Genau diese Inhalte machen Nischen-Seiten stark.
Was Unternehmen jetzt konkret tun sollten
Es muss nicht kompliziert sein. Drei Schritte reichen häufig:
- Pro Seite eine Nische. Nicht zehn Zielgruppen pro Absatz.
- Inhalte schreiben, die Entscheidungen ermöglichen: Kriterien, typische Fehler, Kostenlogik, Vorgehen.
- Kompetenz sichtbar belegen: Beispiele, Fotos, Prozesse, echte Fragen von Kunden, echte Antworten.
Wenn das konsequent umgesetzt wird, passieren zwei Dinge:
- Es gibt weniger Treffer für „irgendwas“, dafür mehr Sichtbarkeit bei den richtigen Suchanfragen.
- Es kommen weniger Klicks von „nur mal gucken“, dafür mehr Anfragen von „bitte lösen“.
Unsere Vermutung war richtig. Nicht weil wir Hellseher sind, sondern weil Google Relevanz immer härter misst.
Der Markt bewegt sich weg vom Bauchladen und hin zur Spezialisierung. Amazon verliert in Google messbar Sichtbarkeit, während kleinere Domains in einzelnen Bereichen profitieren, wenn sie wirklich hilfreich sind.
sistrix.de
Und genau deshalb ernten wir heute die Früchte: Nicht weil wir versucht haben, lauter zu sein als alle anderen, sondern klarer. Fachwissen ist keine Kür. Es ist die Währung, mit der in den nächsten Jahren Sichtbarkeit aufgebaut wird, ohne jeden Monat Miete zu zahlen.
FAQs
Fachwissen ist die SEO-Währung
Was meint ihr mit "Fachwissen ist die neue Währung im SEO"?
Wir meinen Inhalte, die zeigen, dass jemand ein Thema wirklich beherrscht: Praxis, Details, Beispiele, typische Fehler, echte Abläufe. Nicht nur „Definition + 5 Tipps“, sondern Wissen, das eine Entscheidung erleichtert und Vertrauen erzeugt.
Warum verlieren Marktplätze wie Amazon bei manchen Suchbegriffen?
Weil Marktplätze bei vielen Suchen sehr breit sind. Google will bei immer mehr Anfragen die beste Antwort, nicht die größte Auswahl. Bei spezifischen Fragen gewinnen Seiten, die genau dafür gemacht sind, statt alles abzudecken.
Was ist "Generik Content" und warum funktioniert der immer schlechter?
Generik Content sind Texte, die überall gleich klingen: austauschbar, ohne eigene Erfahrung, ohne klare Meinung, ohne echte Beispiele. Das Problem ist nicht die Länge, sondern die Beliebigkeit. Wenn ein Text auch auf 200 andere Websites passen würde, ist er für Google und für Menschen selten die beste Wahl.
Muss ich jetzt jeden Monat 10 Blogartikel schreiben, um mitzuhalten?
Nein. Das ist die typische Content-Fleißarbeit, die viele müde macht. Besser ist die 80/20-Variante: wenige, richtig gute Inhalte, die ein Problem komplett lösen. Ein starker Artikel kann mehr bringen als zehn mittelmäßige.
Woran erkennt Google überhaupt, ob Content wirklich "Experten-Content" ist?
Nicht an einem Siegel oder einem Titel, sondern an Signalen: Tiefe statt Oberfläche, klare Struktur, nachvollziehbare Argumente, konkrete Beispiele, interne Verlinkung, konsistente Themenabdeckung und vor allem: ob Nutzer damit wirklich weiterkommen. Und ja, auch daran, ob die Seite insgesamt glaubwürdig wirkt.
Was ist der schnellste Einstieg, wenn ich bisher nur allgemeine Website-Texte habe?
Nimm ein einziges Thema, das Du aus der Praxis kennst, und mach daraus eine „Entscheidungsseite“: Für wen ist es, wann ist es sinnvoll, typische Fehler, Ablauf, Kostenfaktoren, Zeitrahmen, und am Ende eine klare Handlung. Das ist der schnellste Weg von „informativ“ zu „anfragerelevant“.
